Tobias Barth

Digitale Fotografie ist mehr als nur perfekte Bildtechnik. Sie „sieht“, was sich dem Auge verschließt, und eröffnet künstlerisch völlig neue Spielräume. Wie – das wird in den Arbeiten von Tobias Barth auf eindrucksvolle Weise sichtbar. Als Segelflugfotograf schickt er sich an, in die Fußstapfen seines Vorbilds Claus-Dieter Zink zu treten.

Geboren und aufgewachsen in Brandenburg, kommt Tobias Barth früh mit Flugtechnik in Berührung. Die organisierte DDR-Jugendfreizeit fördert sein kindliches Interesse an hölzernen Flugmodellen. Dann fallen die Grenzen.

Tobias ist 13, als er erstmals in einem echten Segelflugzeug sitzen darf. Ein Jahr später beginnt er seine Ausbildung, mit 15 ist er jüngster Segelflugwart seines Vereins. Während andere Jungs für Mofas schwärmen, absolviert er seinen ersten großen Alleinflug: 50 km auf einer Ka-8. 1995, mit 17, holt er sich die Privatpilotenlizenz Segelflug (PPL-C), im Folgejahr verdoppelt er die Distanz.

Der Umzug nach Westdeutschland, den die Berufsausbildung mit sich bringt, verändert vieles; doch die Begeisterung fürs Segelfliegen bleibt. 1998 schließt sich Barth der Flugwissenschaftlichen Vereinigung Aachen (FVA) an.

Von nun an ist sein fliegerischer Elan nicht mehr zu bremsen. Erneut startet er zu einer Langstrecken-Premiere. Diesmal ist es ein angemeldeter Flug über 500 km in einer Glasflügel Hornet. Er erwirbt den PPL-B inkl. Schleppberechtigung sowie den Kunstflugschein und unternimmt vom Flugplatz St. Croix aus erste kleinere Aus-Flüge in die französischen Seealpen.

Auch beruflich geht es voran: 2000 schließt er seine Ausbildung zum Leichtflugbauer ab. Acht Jahre später wird er auch sein FH-Studium der Luft- und Raumfahrttechnik erfolgreich absolviert haben. Bis dahin bleibt wenig Zeit fürs Hobby, genutzt wird sie für Flugurlaube in Frankreich und einen neuen persönlichen Rekord – 939 km ab Aachen und zurück.

Der frischgebackene Ingenieur verlagert seinen Lebensmittelpunkt nach Norddeutschland, sein neues Zuhause wird Stade bei Hamburg. Dort findet er auch fliegerisch eine neue Heimat – im örtlichen Luftsportverein.

Beim eigenen Segelflieger fällt seine Wahl auf eine Glasflügel Mosquito (Bj. 1979). Sie begleitet ihn bis heute auch zu Wettbewerben. So etwa zum International Gliding CUP / KLIX, wo er 2015 in der Rennklasse sogar auf dem Treppchen landet: Platz 2! Oder zu seinem ersten erfolgreichen „1000-Punkte-Flug“ – einem angemeldeten FAI-Dreieck über 650 km.

Doch nicht nur fliegerisch entwickelt sich der junge Mann beständig weiter. Inspiriert durch Freundin Katinka, die selbst fotografiert, beginnt er für sich ab 2004 eine weitere reizvolle Seite der Fliegerei zu entdecken: die Segelflug-Fotografie. Zunächst wird experimentiert. Die erste eigene gebrauchte digitale Spiegelreflexkamera leistet gute Dienste.

Mit Partnerin und der neuen Nikon „D90“ geht es 2013 auf große Reise. Afrika! Katinka ist mit dabei, hilft und beflügelt mit ihrer Meinung. Tausende Urlaubsbilder entstehen, bei denen der junge Fotograf Blick und Sinne schulen kann.

Ein Glück, denn so bleibt Tobias Barths außergewöhnliches Talent auch uns bei Fotokalender Segelfliegen nicht verborgen. Irgendwann greifen wir zum Telefon, man kommt ins Gespräch und die Chemie stimmt. Unser Lob, unsere Ermutigungen zeigen Wirkung, dann ist es ausgemachte Sache: Wir wollen zusammenarbeiten. Wie schön!

Segelflieger Tobias Barth
 
Segelflugfotograf Tobias Barth


Claus-Dieter Zink

* 05.05.1940   † 15.08.2010

Die Suche nach dem idealen Augenblick: Unter den Bedingungen des Segelflugs gleicht dieses Unterfangen – mehr noch als beim herkömmlichen Fotografieren – einer wahren Sisyphus-Arbeit. Licht, Perspektive, Abstände, Vorder- und Hintergrund – jeder dieser Parameter ändert sich beim Fliegen ständig. Hinzu kommt eine oft böige Thermik, die eine Bildkomposition nahezu unmöglich macht.

Claus-Dieter Zink, Arzt von Beruf und Segelflieger aus Leidenschaft, wusste um die besonderen Herausforderungen der Segelflug-Fotografie. „Der eingefrorene Augenblick entsteht zwangsläufig immer unvorhersehbar“, sagte er einmal.

Seine ersten Flugstunden mit gerade einmal 15 Jahren hatte ihm sein Vater geschenkt. Dem Segelfliegen ist Claus-Dieter Zink dann sein ganzes Leben lang treu geblieben. Etwa um das Jahr 1970 entdeckte er darüber hinaus für sich die Liebe zur Fotografie.

Aus dem anfänglichen Hobby wurde Passion, im Laufe der Jahre entwickelte und perfektionierte er eine einzigartige Technik, die es ihm gestattete, Segelflug und Fotografie auf höchst kreative Weise zu verbinden.

Segelfliegen und Fotografieren - diese Synthese mündete schließlich in die Idee, die schönsten Segelflug-Aufnahmen zu einem eigenen Jahreskalender zusammenzustellen. Ein Vorhaben, in dem ihn seine Frau Claudia stets bestärkte und unterstützte.

Etwa ab 2005 unternahm der große Fotokünstler Reisen rund um den Globus – von Österreich, Italien und Frankreich bis hin nach Südamerika (Argentinien) sowie in den Südwesten Afrikas (Namibia). Auf seinen ausgedehnten Touren wurde ihm Serres in Südfrankreich zur zweiten Heimat. Dort verbrachte Claus-Dieter Zink viele Monate. Und vom dortigen Flugplatz von Klaus Ohlmann brach er gemeinsam mit anderen Piloten immer wieder zu neuen Foto-Zielen auf.

Claus-Dieter Zink hat ein herausragendes Werk hinterlassen. Beflügelt von alpinen Landschaften und der Lichtstimmung des Südens gelangen ihm fotografische Arbeiten von einzigartiger Qualität. Seine faszinierenden Motive, oft aus atemberaubender Perspektive, sind gleichsam Liebeserklärungen an die Schönheit unserer Erde.

Segelflugpilot Claus-Dieter Zink
 
Foto Claus-Dieter Zink
Nach oben